Mein erstes Mal

Ne, nicht was ihr jetzt vielleicht denkt. Ich hatte heute endlich nach gefühlten tausend Jahren meinen Termin beim Osteopathen. Ich war sehr gespannt. Gehört hatte ich bisher viel aber erlebt eben noch nicht. Der junge Mann war sehr sympathisch. Es begann mit einer ausgiebigen Befragung. Beschwerden, Erkrankungen, Chronische Erkrankungen, Brüche, treibe ich Sport?, Hobbies etc. Danach untersuchte er mich ausgiebig und zeigte mir dann sehr anschaulich, was bei mir das eigentliche Problem ist: er postierte mich vor dem Spiegel, sagte wo ich hinschauen muss und da sah ich es: ich bin sowas von schief und verdreht! Meine Hüfte ist auch verdreht – klar, dass sich das im ISG manifestiert. Ursache könnte mein Bruch des linken Fußes sein, den ich mir 2001 zuzog. In jedem Fall ist diese Seite länger, was dazu führt, dass die gesamte Statik nicht passt. Mein Körper versucht nun ständig die Probleme zu kompensieren und das äußerst sich eben z. B. in einer Blockade des ISG. Aber auch in dem Effekt, den ich nun ein paar Wochen habe: eine heftigste Verspannung in der Schulter, die mir auf den Armnerv drückt, was zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen führt. Fürchterlich ist das …

Ich hatte bisher immer das Gefühl, dass ich nur Wirkungen bekämpfe und behandele – die Ursache aber bestehen bleibt. Der junge Mann ist der erste, der mir eine plausible Ursache liefert. Er will nun Röntgenaufnahmen des Bruches sehen, um zu sehen, was damals passierte. Leider habe ich aber nur noch die aus dem Krankenhaus auf Malta und die sind ziemlich unscharf. Alle hier in Deutschland wurden bereits vernichtet. Mist … Er meinte, ich könnte sonst auch aktuelle Aufnahmen erstellen lassen – dann würde er wenigstens den Ist-Zustand sehen. Aber macht das ein Arzt einfach so?!

Er wird mir Einlagen erstellen lassen – angepasst auf die Problematik. Er meint, bei mir würde es etwas dauern, denn mein ganzer Körper und auch mein Fuß sind auf die momentane Situation eingestellt – dies umzustellen geht nicht von heute auf morgen aber es geht. Es gibt also Hoffnung auf dauerhafte Symptomfreiheit! Das ist zumindest mal eine Perspektive! Diese wird mich zwar auch einiges an Geld kosten, denn die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht komplett. Immerhin aber einen Teil davon. Letztlich auch egal – meine Gesundheit ist es mir – gerade perspektivisch – wert!

Der Frust steigt

Man kann sich auf der Homepage des Laufes eine Gesamtliste aller Teilnehmer mit ihren Laufzeiten ansehen. Tja also … wow … es sind über 1800 angetreten und nach mir gingen gerade noch 21 weitere ins Ziel! Himmel … Leider gibt es auch einen Film des Zieleinlaufes. Wenn ich das gewusst hätte! Ich wäre durchs Ziel gesprintet wie eine junge Gazelle! Naja, eher wie eine ältliche Antilope … Aber gesprintet! Da ich niemals mit einem Film (in HD!!!!) gerechnet hätte, ließ meine Spannkraft kurz vorm Ziel doch etwas zu wünschen übrig. Dies wurde nun also in HD gebannt. Von der Möglichkeit diesen Film zu kaufen werde ich mal ganz geflissentlich absehen …

Lauf, fiatlou, lauf!

Mein Freund war lange Jahre Jugendtrainer. Seitdem er diese Tätigkeit beendete, fehlt ihm irgendwie schon etwas. Vermutlich führte dies dann dazu, dass er quasi als Übersprungshandlung anfing unsere Firma zu motivieren am diesjährigen Nachtlauf teil zu nehmen. Chef war einverstanden und würde auch das Startgeld übernehmen. Ich war so lala begeistert. Zwar gehe ich seit Ewigkeiten so 2 bis 3 mal die Woche Laufen aber Wettkämpfe?! Nöööö … Ich Laufe für mich, in Ruhe, entspannt und … schnarchend langsam. Ich habe nie auf Geschwindigkeit trainiert. Wozu auch?! Lange Strecken kann ich. 5 Kilometer? Pah … 10 Kilometer? No Problem. 13 Kilometer? Bekomme ich auch noch hin. Nur: Pokale würde ich halt nie gewinnen mit meinem Tempo. Guuuut aber Schatz zuliebe ließ ich mich breit schlagen bei dem Lauf mit zu machen. Insgesamt waren wir 12, die sich meldeten. Als mir einige Wochen vor dem Lauf mal andere Ihre Zeiten für die Strecke (6 Kilometer) mitteilten hatte ich spontan keine Lust mehr mit zu laufen. 😦 Als mir dann die, die erst seit kurzem überhaupt Laufen gehen ihre Zeiten mitteilten, hatte ich gar keine Lust mehr. Herrgott, ich gehe seit Jahren regelmäßig Laufen. Warum sind alle anderen schneller?! Einige, die ihre Zeit nicht wussten, fingen dann an zu jammern, dass sie ja soooo langsam wären. Hexe ganz vorne weg. Ich glaubte ihnen kein Wort – Hexe schon gar nicht. Man erinnere sich an die, die damals in der Schule immer garantiert ne 6 geschrieben hatten. Was hatten sie dann letztlich geschrieben?! Eben …

Der „große“ Tag war also schließlich da. Immerhin war das Wetter gnädig, denn in einer schwülwarmen Nacht wäre ich vermutlich umgekippt. Überhaupt: die Zeit, zu der der Lauf startete ging so gar nicht! Nach 21 Uhr! Da lümmel ich ansonsten auf dem Sofa oder aber die Äuglein klappen langsam zu. An diesem Tag aber drängelte ich mit über tausend anderen Menschen in der Innenstadt am Start rum. Meine Teamkollegen schrieben immer noch lautstark eine 6. *nerv* Dann ging es los. Naja, zumindest so langsam, denn nach dem Startschuss dauert es schon eine ganze WEile, bis die ganze Masse mal in Gang gerät. Nach einer Minute hatte ich genug Platz, um loszustarten. Ich lief los – wie immer recht schnell. Mein Start ist immer schnell. Das lässt jedoch auch schnell nach. Folgerichtig spurtete ich zunächst allen meiner Truppe davon und wurde nach wenigen hundert Metern von allen überholt. Normalerweise verfalle ich an diesem Punkt in meinen Rhythmus in dem ich ruhig atme und lange durchhalte. Ich wartete darauf, dass das bei den anderen auch so ist. Nöö. Stattdessen überholten mich hunderte um hunderte Menschen, was meine Motivation nicht gerade anspornte.

Um nicht völlig ins Hintertreffen zu geraten versuchte ich eine schnellere Gangart durchzuhalten, als üblich. Ist vermutlich auch die gängige Methode bei Wettkämpfen aber ich bin Wettkämpfe eben echt nicht gewohnt. Ich will angenehm und entspannt Laufen! Hier schnaufte ich mich durch. Bereits in der ersten Runde brannten meine Bronchen. Ich hatte meine erste Runde noch nicht durch, da überholten mich die schnellsten Läufer. Als ich die erste Runde vollendete, waren sie bereits im Ziel. Hochgradig demotivierend! Ich schnaufte weiter. Fluchte auf mich. Regelmäßige Läuferin und Schnaufen wie eine Couchpotato … pfff … Ich wartete immer noch vergeblich darauf, dass das große Feld eine langsamere Gangart anschlägt. Machten sie nicht. Verdammt … Immerhin fielen einige junge Dinger zurück und mussten zwischendrin gehen. *juuhuuuu* Dadurch, dass ich so wenig verbissen war, hatte ich genügend Zeit, um vieles um mich rum wahr zu nehmen: ein neues interessantes Restaurant, das eröffnet hat, eine Percussiontruppe, die am Wegesrand ihr Bestes gab, jubelnde Menschen, die sicherlich nicht mich meinten, ein Baby, das unbedingt wie die etwas größere Schwester einen Läufer abklatschen wollte, was ich dann bereitwillig zur Freude des Winzlinges machte.

Bei meiner zweiten Runde waren an vielen Stellen die Menschen bereits weg. Ich lief durch eine dunkle und verlassene Innenstadt. Um mich rum auch keine Läufer. Alle weiter weg vor und immerhin auch hinter mir. Ich fühlte mich verlassen. Auf der Zielgerade spurtete ich nochmal los, als ein ältlicher Pummel an mir vorbei zog, was mein Stolz dann echt mal nicht zulassen konnte. Dann endlich im Ziel. Deutlich schneller, als bei meinen Läufen zuvor, bei denen ich per App die Strecke und die Zeit gemessen hatte. Ganze 7 Minuten schneller! Für mich eine tolle Leistung. Dennoch war ich frustriert, da alle aus meinem Team schneller waren als ich. Auch die, die angeblich eine 6 schreiben würden. Halt echt wie damals in der Schule … Ich sagte nur zu meinem Freund: „Wenn ich sage, dass ich eine 6 schreibe, dann ist das wenigstens auch so!“

Man fragte mich, ob es mir Spaß gemacht hatte. Ich wusste keine Antwort darauf. In erster Linie war ich frustriert. Frustriert, weil ich als regelmäßige Läuferin langsamer bin als die ganze untrainierte Bande. Frustriert, weil ich einfach deutlich zu schwer bin. Mit 5-6 Kilo weniger, wäre ich sicherlich schon schneller gewesen. Ja, das blieb deutlich hängen: ich bin zu schwer. Ich muss und will abnehmen. Ich muss leichter werden, damit das Laufen auch wieder leichter wird. Ich rüste ansonsten bereits auf: Bluetooth-Pulsmesser für die App ist bestellt. Smartphone-Armband ebenfalls, um es am Oberarm zu befestigen. Dann werde ich per App-Coach trainieren, der meine Geschwindigkeit trainiert. Auf Strecke brauche ich nicht trainieren – die kann ich ja. Nächstes Jahr hänge ich dann alle ab und schreibe keine 6. Soh!

Nochmal gut gegangen

15 Minuten, nachdem ich das unsägliche Telefonat mit dem Onkel hatte, kam die erlösende SMS: „Komme grad aus dem Aufwachraum. Bin noch total groggy …“ Ich schrieb ihr, sie solle sich erst einmal ausruhen und später in Ruhe berichten, was nun war. Das Lebenszeichen reichte mir. An die Krebsvariante hatte ich eh nicht geglaubt – da sprach zum Glück zu viel für anderes – und erwartete somit keine Hiobsbotschaften. Dann aber kam ich anderweitig ins Grübeln. 15 Minuten zuvor sagte Onkel, sie sei noch in der OP. War sie aber dann ja gar nicht, sondern im Aufwachraum. Trotzdem war die Tante abgerauscht, ohne bei ihr vorbei zu schauen. 15 Minuten waren offensichtlich zu lang für sie …

Heute dann die Diagnose: Zyste geplatzt und dadurch Bauchraum vollgeblutet. Hätte auch schief gehen können, wäre nicht so schnell operiert worden. Schockierend. Nicht für Onkel und Tante, die kurz eine SMS schickten, dass sie auf dem Wege nach X seien, um dort ins Kurbad zu gehen. Fassungslosigkeit bei ihr und bei mir diesbezüglich. Angesichts dieser völligen Gleichgültigkeit und des mangelnden Mitgefühls, ist es mir nicht länger ein Rätsel, dass das Verhältnis von ihr zu den beiden grad mehr als angespannt ist.

Aus heiterem Himmel

Am Samstag besuchte ich die Freundin noch. Alles wie immer. Ihr ging es gut. Heute Mittag dann die Horrornachricht: „Bin im Krankenhaus, weil heftige Schmerzen. Verdacht auf Zyste, Eierstockverdrehung oder Krebs!“ Ich fiel aus allen Wolken. So ist es immer: es kommt plötzlich und unerwartet. Gegen 13:30 Uhr bekam sie eine Beruhigungsspritze. OP sollte folgen – wann genau unklar. Die letzten Worte: „Ich melde mich, wenn ich wieder wach bin.“ Letzte Antwort meinerweits: „Ich bin bei dir.“ Seitdem Warten und Bangen. Ihr Verhältnis zu Onkel und Tante ist aktuell nicht das beste. Warum ist unklar, denn es war mal anders. Vater und Mutter leben nicht mehr. Ich rief beklommen den Onkel an. Sagte höflich, wer ich bin und dass ich in Sorge sei, da ich noch nichts gehört habe. Ja, also seine Frau käme grad aus dem Krankenhaus – sie wird noch operiert. Info Ende. Ich stocherte nach, ob es denn bereits Ergebnisse gab. Nö, da seien drei Möglichkeiten genannt worden … Blinddarm, verdrehter Eierstock oder … das letzte habe er vergessen. Krebs, dachte ich, KREBS!!! DAS war die dritte Variante, herrgottnochmal! Naja, morgen könne sie ja bestimmt auch per Telefon erreicht werden, denn sie beide seien ja morgen unterwegs und somit nicht erreichbar. Kein Angebot mich nochmal zu informieren – nur der Hinweis zwischen den Zeilen, dass man heute nicht mehr gestört werden wolle. Mal davon ab, dass ich meinen morgigen Termin abblasen würde und ins Krankenhaus fahren würde an ihrer Stelle. Da würde ich auch jetzt sitzen und warten an ihrer Stelle. Wäre es nicht so weit weg, würde ICH hin fahren. So bleibt nur warten …

Dann bis nächstes Jahr!

Meine ISG-Blockade ist tatsächlich gelöst. Leider bleibt aber das Gefühl, dass die Außenseite meines linken Fußes ständig einschläft. Es kribbelt. Wenn ich die ISG/Hüft-Orthese trage, hört das zum Glück auf – nehme ich sie ab, geht es sofort wieder los. Menno … Meine Ärztin wollte mir ja Krankengymnastik verschreiben, die ich ablehnte und stattdessen um ein Privatrezept für osteopathische Anwendungen bat. Meine Krankenkasse übernimmt davon immerhin einen Teil und genau dafür habe ich auch extra zu dieser Krankenkasse gewechselt. Also telefonierte ich die Osteopathen durch, die mir meine Ärztin empfohlen hatte. Verschreckt durch die Termine, die sie als nächstes für Neupatienten frei haben, vertagte ich das erst einmal. Juli wurde mir angeboten. Juli! Übers Wochenende ging ich nochmal in mich aber letztlich: was hilfts?! Wenn ich zu jemanden gehe, der vielleicht einfach nicht gut ist und sich dann an meinem Problem nichts ändert, habe ich ja auch nichts davon. Ergo: gestern rief ich also wieder an und nahm den erstmöglichen Termin bei dem Osteopathen, der für mich auch am stimmigsten klang. Am 21. Juli wird es also so weit sein. 😦 Wie soll ich bis dahin durchhalten? Wie werde ich das taube Gefühl wieder los?! 😦 Erstaunlich finde ich, dass Osteopathen genau so überlaufen sind, wie Orthopäden und das, obwohl die meisten komplett selbst dafür zahlen müssen. Ich bin in jedem Fall jetzt bereits gespannt, wie die Behandlung aussehen wird und ob und wie sich bei mir danach etwas ändert. Die Dauerschmerzen sind irgendwie echt nicht mehr schön. Ich will Sport machen und werde ständig ausgebremst, weil ich Schmerzen bekomme und mir was auf den Nerv drückt. Seit Jahren! Ich hoffe, der Herr kann daran was ändern …